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Rotatorenmanschette

Rotatorenmanschettenriss ohne OP: Was die Leitlinie sagt

Schulterschmerzen und die Sorge vor einer OP? Die überarbeitete Leitlinie macht Physiotherapie zur Basis der Behandlung eines Rotatorenmanschettenrisses.

LH
Luc HameleersHeilpraktiker & Physiotherapeut
veröffentlicht15. Sept. 2026
lesezeit6 Min.
Rotatorenmanschettenriss ohne OP: Was die Leitlinie sagt

Ein stechender Schmerz beim Anheben des Arms über Schulterhöhe, ein Ziehen, das nachts beim Liegen auf der Schulter schlimmer wird – und die Sorge, dass jetzt nur noch eine Operation hilft? Ein Rotatorenmanschettenriss klingt zunächst dramatisch, ist aber ab dem mittleren Lebensalter erstaunlich häufig. Die gute Nachricht: Die aktuelle ärztliche Leitlinie stellt klar, dass Physiotherapie die Basis der Behandlung ist – und dass bei fehlenden Beschwerden sogar ausdrücklich keine Operation durchgeführt werden soll. Genau hier setzen wir in unserer Praxis in Wegberg an: mit einer Behandlung, die die tatsächliche Funktion Ihrer Schulter verbessert, nicht nur einen Befund im MRT.

Ein Riss in der Rotatorenmanschette wird mit steigendem Alter zur Normalität

Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Sehnen – den Sehnen des M. supraspinatus, M. subscapularis, M. infraspinatus und M. teres minor –, die wie eine Manschette um das Schultergelenk liegen und den Oberarmkopf in der Gelenkpfanne zentrieren. Reißt eine dieser Sehnen teilweise oder vollständig, sprechen Fachleute von einer Rotatorenmanschettenruptur.

Nach der aktuellen S2k-Leitlinie „Rotatorenmanschettenruptur” der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie und zehn weiterer Fachgesellschaften ist die Entstehung meist kein einzelnes Ereignis, sondern ein schleichender Prozess: Mit den Jahren verändert sich die Durchblutung der Sehne, das Gewebe verliert an Elastizität, und wiederholte Mikrobelastungen im Alltag hinterlassen Spuren. Nur ein kleinerer Teil der Risse entsteht durch einen echten Unfall, etwa einen Sturz auf den ausgestreckten Arm oder eine Schulterverrenkung.

Wie häufig das ist, zeigt die Leitlinie deutlich: Die Prävalenz symptomatischer, also beschwerdeverursachender Rotatorenmanschettenrisse liegt insgesamt bei 20 bis 35 Prozent – und steigt mit dem Alter kontinuierlich an, von rund 2,5 Prozent im dritten Lebensjahrzehnt auf etwa 46 Prozent im siebten und rund 50 Prozent im achten Lebensjahrzehnt. Typische Beschwerden sind Schmerzen beim Anheben des Arms über Schulterhöhe, ein nächtliches Ziehen beim Liegen auf der betroffenen Seite und ein spürbarer Kraftverlust bei Überkopfbewegungen wie dem Griff ins oberste Regalfach.

Für die Diagnose reicht anfangs meist eine gründliche körperliche Untersuchung, ergänzt durch Ultraschall. Ein MRT gilt zwar als Bildgebung der Wahl, wenn Sonographie oder Untersuchung eine Läsion nahelegen – die Leitlinie hält aber fest, dass es bei chronischen, länger als drei bis sechs Monate bestehenden Beschwerden oder vor einer geplanten Operation eingesetzt werden soll, und nicht zwingend der erste Schritt sein muss, bevor mit der Behandlung überhaupt begonnen wird.

Nicht jeder Riss verursacht Schmerzen – erst die Funktion entscheidet über die Behandlung

Was viele überrascht: Ein Riss in der Rotatorenmanschette muss gar nicht wehtun. Die Leitlinie beziffert die Prävalenz asymptomatischer, also beschwerdefreier kompletter Risse mit 16 bis 23 Prozent in der Gesamtbevölkerung – bei über 70-Jährigen sogar mit über 50 Prozent. Menschen mit einem solchen „stillen” Riss zeigen in klinischen Scores keine signifikanten Unterschiede zu Menschen mit intakter Rotatorenmanschette. Erst wenn Schmerzen oder ein spürbarer Kraftverlust dazukommen, spricht man von einem symptomatischen Riss – und erst dann wird überhaupt eine Behandlung nötig.

20–35 %Menschen mit symptomatischem Rotatorenmanschettenriss
50 %der über 70-Jährigen mit einem kompletten Riss (oft beschwerdefrei)
40 Min.Behandlungszeit pro Einzeltermin
36+Jahre Erfahrung mit manuellen Verfahren

Diese Unterscheidung ist der Grund, warum die Leitlinie mit starkem Konsens festhält: Eine operative Therapie bei asymptomatischen Rotatorenmanschettenläsionen soll nicht durchgeführt werden. Ein zufällig im MRT entdeckter Riss ohne Beschwerden ist also kein Grund zur Sorge und erst recht keine Operationsindikation.

Viele Patient*innen kommen mit der Sorge zu uns, ein Riss im Bildbefund bedeute automatisch eine Operation. Tatsächlich zeigt die Leitlinie das Gegenteil: Entscheidend ist, wie die Schulter im Alltag funktioniert, nicht, was auf dem Bild zu sehen ist.

Luc Hameleers, Praxis Wegberg

Die überarbeitete Leitlinie macht Physiotherapie zur Basis der Behandlung

Die S2k-Leitlinie „Rotatorenmanschettenruptur” im AWMF-Register wurde 2025 vollständig überarbeitet, die Zahl der beteiligten Fachgesellschaften wuchs auf elf – darunter erstmals auch der Deutsche Verband für Physiotherapie und die Deutsche Gesellschaft für Physiotherapiewissenschaften. Mit hundertprozentigem Konsens hält die Leitlinie fest: Physiotherapie stellt die Basis der konservativen Behandlung von Rotatorenmanschetten-Läsionen dar. Ziel ist es, durch gezielte Übungen die Mobilität, Kraft und Propriozeption zu verbessern.

Auch das unabhängige Patientenportal Gesundheitsinformation.de des IQWiG bestätigt diesen Ansatz für Schulterschmerzen allgemein: Eine Physiotherapie über acht bis sechzehn Wochen, die Beweglichkeit, Kraft der Rotatorenmanschette und Haltung trainiert, zeigt gute Ergebnisse – und wer die erlernten Übungen zu Hause konsequent weiterführt, profitiert nachweislich genauso wie unter dauerhafter therapeutischer Aufsicht.

Eine Kortisonspritze kann kurzfristig Schmerzen lindern und die Funktion verbessern, schädigt laut Leitlinie bei wiederholter Anwendung jedoch langfristig die Sehnenstruktur. Aus diesem Grund setzen wir Infiltrationen nur zurückhaltend ein und nie als Ersatz für eine gezielte Übungsbehandlung, sondern höchstens begleitend, wenn starke Schmerzen den Einstieg in die aktive Therapie sonst verhindern würden.

Ein akuter Unfall braucht schnelles Handeln, Verschleiß meist nicht

Nicht jeder Rotatorenmanschettenriss verläuft gleich. Die Leitlinie unterscheidet ausdrücklich zwischen der weitaus häufigeren degenerativen Ruptur, die sich über Jahre entwickelt, und der selteneren, unfallbedingten Ruptur. Bei akuten Rissen ohne fortgeschrittene Atrophie der Muskulatur empfiehlt die Leitlinie eine zeitnahe fachärztliche Versorgung, da sich das Sehnengewebe mit jeder Woche Verzögerung weiter zurückzieht und degeneriert – und damit die Chancen auf eine erfolgreiche Rekonstruktion sinken, falls doch operiert werden muss.

Anders bei den weitaus häufigeren, schleichend entstandenen Rissen: Hier ist Eile fehl am Platz. Stattdessen lohnt sich eine gründliche funktionelle Untersuchung, wie stark Kraft, Beweglichkeit und Stabilität der Schulter im Alltag tatsächlich eingeschränkt sind – und darauf ein individuelles Behandlungsprogramm aufzubauen, statt vorschnell in Richtung Operation zu denken.

So behandeln wir einen Rotatorenmanschettenriss in unserer Praxis in Wegberg

In der 40-minütigen Einzelbehandlung prüfen wir zunächst, welche Bewegungen und Belastungen die Beschwerden auslösen, wie es um Kraft und Stabilität der schulterblattführenden Muskulatur steht und ob Warnzeichen für eine akute Ursache vorliegen. Erst danach bauen wir gemeinsam ein Programm auf, das zur individuellen Belastbarkeit passt – 1:1 betreut, nicht nach Schema.

Im Zentrum steht manuelle Behandlung, die verspannte und in ihrer Beweglichkeit eingeschränkte Strukturen rund um das Schultergelenk löst, kombiniert mit neuromuskulärem Krafttraining, das gezielt die Rotatorenmanschette und die schulterblattstabilisierende Muskulatur kräftigt – genau die Kombination, die laut Leitlinie Mobilität, Kraft und Propriozeption spürbar verbessert. Ergänzend arbeiten wir an Haltung und Bewegungsmustern im Alltag, etwa beim Tragen, Heben oder bei Überkopfarbeiten, die die Schulter unnötig zusätzlich belasten.

Ähnliche Prinzipien verfolgen wir bei verwandten Schulterbeschwerden wie einem Impingement-Syndrom oder einer Frozen Shoulder – auch dort steht das Verstehen der eigentlichen Ursache vor dem reinen Symptommanagement. Dieser Ansatz ist Teil unseres grundsätzlichen Verständnisses von Schmerztherapie ohne Medikamente: Wir wollen die eigentliche Funktionsstörung beheben, nicht nur den Schmerz überdecken. Einen Überblick über unser gesamtes Leistungsspektrum finden Sie unter Leistungen in unserer Praxis.

Wie viele Termine notwendig sind, hängt von Rissgröße, Dauer der Beschwerden und individueller Ausgangskraft ab. Zu Beginn steht meist eine engmaschigere Behandlungsfolge, um Schmerz und Funktion zügig zu verbessern, danach strecken wir die Abstände und verlagern den Schwerpunkt zunehmend auf ein Eigenübungsprogramm für zu Hause. Bessert sich die Symptomatik trotz konsequenter Behandlung über mehrere Monate nicht ausreichend, sprechen wir das offen an und verweisen zur weiteren orthopädischen Abklärung – dann bleibt eine Operation eine sinnvolle Option, kein Zeichen gescheiterter Physiotherapie.

Das können Sie selbst für Ihre Schulter tun

Vermeiden Sie länger andauernde Überkopftätigkeiten, bei denen der Arm über einen längeren Zeitraum oberhalb der Schulterhöhe gehalten wird, etwa beim Streichen einer Decke oder beim Schneiden von Hecken. Wechseln Sie beim Tragen schwerer Taschen regelmäßig die Seite, und achten Sie beim Schlafen darauf, nicht dauerhaft auf der schmerzenden Schulter zu liegen – ein Kissen unter dem Arm kann hier spürbar entlasten. Wer zusätzlich die Rumpf- und Schulterblattmuskulatur kräftigt, entlastet die Rotatorenmanschette dauerhaft.

Wenn Sie in Wegberg, Erkelenz oder Mönchengladbach mit Schulterschmerzen oder einem diagnostizierten Rotatorenmanschettenriss zu tun haben, schauen wir uns Ihre Beschwerden gerne gemeinsam an und bauen ein Behandlungsprogramm auf, das zu Ihrer Schulter und Ihrem Alltag passt. Einen Termin können Sie direkt online buchen.

Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Diagnose oder individuelle Beratung.

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