Seitliche Hüftschmerzen nachts: Trochanter-Syndrom behandeln
Nachts nicht auf der Seite liegen können? Seitliche Hüftschmerzen haben oft eine klare Ursache. Was hilft, was eine Spritze leistet und wann zum Arzt.

Sie liegen nachts auf der Seite, und nach wenigen Minuten meldet sich ein stechender Schmerz an der Außenseite der Hüfte. Tagsüber wird es beim Treppensteigen oder nach längerem Gehen wieder schlimmer. Die kurze Antwort vorweg: Hinter seitlichen Hüftschmerzen steckt häufig das Trochanter-Syndrom, eine Reizung der Sehnen am äußeren Hüftknochen. Das ist gut behandelbar, und laut Studienlage schneiden gezielte Übungen dabei besser ab als eine einzelne Spritze. Wie das in der Praxis aussieht, erklären wir Ihnen hier für Wegberg, Erkelenz und Mönchengladbach.
Schmerz an der Hüftaußenseite, der nachts zunimmt, spricht für das Trochanter-Syndrom
Der große Rollhügel (Trochanter major) ist der knöcherne Vorsprung, den Sie seitlich an Ihrer Hüfte ertasten. Dort setzen die Sehnen der Gesäßmuskeln an. Das Trochanter-major-Schmerzsyndrom zeigt sich laut DEXIMED als Schmerz über diesem Knochen, der manchmal in den Oberschenkel ausstrahlt und beim Liegen auf der betroffenen Seite sowie beim Treppensteigen schlimmer wird. Betroffen sind vor allem Menschen mittleren und höheren Alters, Frauen deutlich häufiger als Männer.
Wichtig für Sie: DEXIMED nennt das Trochanter-Syndrom einen sehr häufigen Grund für Hüftschmerzen. Sie sind mit dem Problem also nicht allein, und es lässt sich in der Regel gut behandeln. Das Patientenportal Orthinform des Berufsverbands für Orthopädie und Unfallchirurgie nennt als Beschwerden zusätzlich Ruheschmerz beim seitlichen Liegen, teils mit Schwellung oder Rötung, und beschreibt wiederholte Bewegungen oder Druck auf die Hüfte, etwa beim Laufen oder Radfahren, als typische Auslöser. Wer im Herbst noch lange Radtouren am Niederrhein fährt, kennt das vielleicht.
Die Sehne des mittleren Gesäßmuskels ist häufiger betroffen als der Schleimbeutel
Häufig ist von einer Schleimbeutelentzündung die Rede, der Bursitis trochanterica. Nach DEXIMED ist der wahrscheinlichste Auslöser aber eine chronische Schädigung der Sehne des mittleren Gesäßmuskels, des Musculus gluteus medius. Der Schleimbeutel kann zusätzlich gereizt sein, beides lässt sich im Alltag kaum trennen. Für Sie ist das gute Nachricht, denn eine Sehne lässt sich durch dosiertes Training wieder belastbar machen.
Als Risikofaktoren nennt DEXIMED unter anderem Übergewicht, unterschiedlich lange Beine, Arthrose, rheumatische Erkrankungen und Rückenschmerzen. Auch Langstreckenläufer sind besonders anfällig. Deshalb schauen wir bei der Untersuchung nie nur auf die Hüfte, sondern auch auf Becken, Rücken und Fußstellung.
In der LEAP-Studie schnitten Übungen besser ab als eine einzelne Kortison-Spritze
Die Forschung dazu ist ungewöhnlich konkret. In der australischen LEAP-Studie, veröffentlicht im British Medical Journal, wurden 204 Menschen mit Sehnenproblemen am Rollhügel auf drei Gruppen verteilt: 14 Physiotherapie-Termine über 8 Wochen mit Schulung zur Belastungssteuerung plus Übungen, eine einzelne Kortison-Spritze oder Abwarten. Nach 8 Wochen ging es nach eigener Einschätzung 77 von 100 Teilnehmenden aus der Übungsgruppe mindestens spürbar besser, nach der Spritze waren es 58 von 100, beim Abwarten 29 von 100 (Zusammenfassung der Ergebnisse in einem Studienprotokoll).
Ehrlich gehört dazu: Das ist eine einzelne Studie in Australien, und Ihr eigener Verlauf kann anders aussehen. Eine Spritze bleibt eine ärztliche Option. DEXIMED nennt dafür Besserungsraten zwischen 49 und 100 Prozent, ein Hinweis darauf, wie unterschiedlich die Studien ausfallen. Über Spritzen, Schmerzmittel oder Stoßwellen entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Aber die Botschaft ist wichtig: Wer auf Übungen und Alltagsanpassung setzt, wartet nicht nur ab. Das passt zu unserem Ansatz, Schmerzen ohne Medikamente an der Ursache zu behandeln, den wir in Schmerztherapie ohne Medikamente ausführlich beschreiben.
Bestimmte Positionen drücken auf die Sehne, und die lassen sich im Alltag ändern
Der Schulungsteil der LEAP-Studie zielte darauf, Druck- und Zugbelastungen auf die Sehne zu verringern. Als Beispiele nennt das Studienprotokoll das Stehen auf einem Bein, Aktivitäten mit angezogenem Bein zur Körpermitte wie Sitzen mit übergeschlagenen Beinen, bestimmte Hüftdehnungen und ungünstige Schlafpositionen. Übertragen auf Ihren Alltag heißt das:
- Beine nicht übereinanderschlagen. Setzen Sie sich mit beiden Füßen auf den Boden, Knie ungefähr auf Hüftbreite.
- Nicht in die Hüfte hängen. Wer im Stehen das Gewicht auf ein Bein verlagert und die Hüfte seitlich herausschiebt, belastet genau diese Sehne. Verteilen Sie das Gewicht auf beide Beine.
- Nachts ein Kissen zwischen die Knie legen. In Seitenlage auf der gesunden Seite verhindert das, dass das obere Bein nach vorn und innen sinkt.
- Tiefe, weiche Sofas meiden, wenn Sie merken, dass die Hüfte dort zieht.
- Dehnen mit Bedacht. Das Knie quer über den Körper zu ziehen dehnt die Außenseite, drückt aber die gereizte Sehne. Fühlt sich eine Dehnung stechend an, lassen Sie sie weg.
— Luc Hameleers, Praxis WegbergBei seitlichen Hüftschmerzen frage ich zuerst, wie jemand sitzt, steht und schläft. Oft liegt der Schlüssel nicht in der Hüfte allein, sondern in Gewohnheiten, die die Sehne den ganzen Tag reizen.
Hüftarthrose, Rücken und ISG können ähnlich wehtun und werden zuerst abgegrenzt
Nicht jeder Hüftschmerz kommt vom Rollhügel. Sitzt der Schmerz eher in der Leiste und ist nach Ruhephasen anlaufsteif, spricht das eher für eine Arthrose. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag zu Hüftarthrose ohne OP. Strahlt der Schmerz aus dem unteren Rücken ins Gesäß, lohnt der Blick auf das Kreuzdarmbeingelenk, das wir in ISG-Blockade: Was hilft erklären. Beides kann parallel bestehen, deshalb untersuchen wir Hüfte, Becken und Lendenwirbelsäule gemeinsam.
So behandeln wir seitliche Hüftschmerzen in unserer Praxis in Wegberg
Am Anfang steht in einer 40-minütigen Einzelbehandlung die genaue Untersuchung: Wo genau sitzt der Schmerz, welche Bewegungen lösen ihn aus, wie stark ist die Gesäßmuskulatur im Vergleich zur anderen Seite, wie stehen Becken und Fuß? Erst danach entscheiden wir, was Sie brauchen. Bei der Behandlung selbst arbeiten wir mit manueller Therapie an Gesäß, Oberschenkelaußenseite und Becken, um Spannung aus dem Gewebe zu nehmen, und mit Faszientechniken, wenn das Gewebe ausgeprägt verspannt ist. Das ist Schmerzbehandlung ohne Medikamente und setzt an der Ursache an statt am Symptom.
Der wichtigste Baustein bleibt das Training. Wir bauen die Hüftmuskulatur Schritt für Schritt auf, mit Übungen, die die Sehne fordern, ohne sie zu überreizen, und zeigen Ihnen, wie Sie zu Hause dosiert weitertrainieren. Weil wir durchgehend 1:1 arbeiten, korrigiert Luc Hameleers mit über 36 Jahren Erfahrung die Ausführung direkt. Bei Bedarf stimmen wir uns mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt ab. Eine Operation kommt laut Orthinform nur in seltenen Fällen in Betracht, DEXIMED nennt als Richtwert mehr als sechs Monate ohne Besserung. Einen Überblick über unsere Leistungen in Wegberg finden Sie auf der Praxis-Seite.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Diagnose oder individuelle Beratung.
● FAQ
- Warum tut die Hüfte nachts in der Seitenlage weh?
- Beim Liegen auf der schmerzenden Seite drückt Ihr Körpergewicht direkt auf die gereizte Sehne am äußeren Hüftknochen. Auch auf der gesunden Seite kann das obere Bein nach vorn und innen sinken und die Sehne der oberen Hüfte unter Spannung setzen. Ein Kissen zwischen den Knien hält die Beine in einer neutraleren Position.
- Hilft eine Kortison-Spritze beim Trochanter-Syndrom?
- Eine Spritze kann kurzfristig lindern und ist eine ärztliche Entscheidung. In der australischen LEAP-Studie ging es 8 Wochen nach der Spritze 58 von 100 Teilnehmenden mindestens spürbar besser, nach Schulung plus Übungen waren es 77 von 100. Übungen sind also eine ernsthafte Alternative, kein Notnagel.
- Wie lange dauert es, bis die Hüfte besser wird?
- Das Behandlungsprogramm der LEAP-Studie lief über 8 Wochen. Rechnen Sie deshalb mit Wochen, nicht mit Tagen, denn eine gereizte Sehne baut ihre Belastbarkeit nur langsam wieder auf. Wie schnell es bei Ihnen geht, hängt von Dauer und Ausgangslage der Beschwerden ab.
- Brauche ich für die Behandlung ein Rezept?
- Mit ärztlicher Verordnung übernimmt die gesetzliche Krankenkasse Physiotherapie in der Regel im Rahmen der Heilmittelrichtlinie. Neuromuskuläres Krafttraining und osteopathische Behandlung sind meist Selbstzahlerleistungen. Klären Sie die Konditionen am besten vorab mit Ihrer Krankenkasse.
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