Gebärmuttersenkung: Was Beckenbodentraining leisten kann
Druckgefühl im Unterleib, Blasenschwäche, Fremdkörpergefühl? Was bei einer Gebärmutter- oder Scheidensenkung hilft und was Training nicht kann.

Ein Druckgefühl im Unterleib, als läge etwas Schweres im Becken, dazu vielleicht Blasenschwäche: Das kann auf eine Gebärmutter- oder Scheidensenkung hinweisen. Die kurze Antwort für Betroffene: Eine Senkung ist häufig, meist harmlos und oft gut behandelbar, auch ohne Operation. Beckenbodentraining kann dabei Beschwerden lindern, die Senkung selbst verändert es aber kaum. Wir erklären in diesem Beitrag, was Sie realistisch erwarten dürfen, welche Alternativen es gibt und wie wir in unserer Praxis in Wegberg Frauen aus Wegberg, Erkelenz und Mönchengladbach dabei begleiten.
Viele Frauen warten lange, bevor sie darüber sprechen. Dabei ist das Thema alltäglicher, als es sich anfühlt.
Druckgefühl im Unterleib und Blasenschwäche können auf eine Senkung hindeuten
Bindegewebe und Muskeln im Beckenboden halten Gebärmutter, Blase, Scheide und Enddarm normalerweise an ihrem Platz. Ist diese Haltestruktur geschwächt, können die Organe absinken. Ärztinnen und Ärzte sprechen von einem Genitalprolaps. Am häufigsten ist laut gesund.bund.de die Blasensenkung.
Bei einer leichten Schwächung merken viele Frauen nichts. Bei stärkerer Senkung nennt gesund.bund.de unter anderem diese Beschwerden:
- Druck- oder Fremdkörpergefühl im Unterleib
- Blasenschwäche oder häufiger Harndrang
- ziehende Unterbauchschmerzen sowie Rücken- und Kreuzschmerzen
- Probleme beim Geschlechtsverkehr oder beim Stuhlgang
Typisch ist, dass die Beschwerden im Stehen, beim Laufen oder beim Stuhlgang auftreten und im Liegen oft nachlassen. Wenn Sie abends mehr spüren als morgens, ist das ein Hinweis, den Sie Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt schildern sollten.
Eine leichte Senkung ist häufig und bleibt oft ohne Folgen
Zahlen helfen, das Thema einzuordnen. Laut gesund.bund.de kommt es bei rund der Hälfte der Frauen im Lauf des Lebens zu einer leichten Beckenbodenschwächung, meist ohne größere Beschwerden. Etwa 5 Prozent aller Frauen haben eine Organsenkung mit belastenden Beschwerden.
Meist bleibt es bei einer leichten Senkung. Sie kann sich sogar zurückbilden, etwa nach einer Geburt, oder sie schreitet langsam fort. Für die Behandlung zählen vor allem Ihre Beschwerden, weniger der Schweregrad auf dem Papier. So beschreibt es gesund.bund.de.
Geburten, Alter und Übergewicht gehören zu den belegten Risikofaktoren
Warum es zu einer Senkung kommt, hat meist mehrere Gründe. Nach gesund.bund.de zählen dazu:
- zu schwache Beckenbodenmuskeln und schwaches Bindegewebe, teils erblich bedingt
- vaginale Geburten, vor allem bei langem Geburtsverlauf, einem Kind über 4000 Gramm oder Zangen- und Saugglockenentbindung (nach einem Kaiserschnitt ist das Risiko nicht erhöht)
- das Alter, weil Muskeln und Bindegewebe mit den Jahren nachgeben
- starkes Übergewicht
Vermutet, aber wenig untersucht sind schweres Heben, chronischer Husten und häufige Verstopfung. Das ist wichtig für die Ehrlichkeit dieses Themas: Niemand kann Ihnen garantieren, dass Sie mit einer bestimmten Gewohnheit eine Senkung verhindern. Wer den Beckenboden trotzdem entlastet, geht ein sehr geringes Risiko ein.
Beckenbodentraining lindert vor allem Beschwerden, die Senkung selbst verändert es kaum
An dieser Stelle verspricht mancher Ratgeber mehr, als die Studienlage hergibt. Wir halten uns an die Entscheidungshilfe des IQWiG, des unabhängigen Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG-Entscheidungshilfe zur Gebärmuttersenkung). Sie sagt:
- Beckenbodentraining stärkt die Muskeln, die Gebärmutter und Blase stützen.
- Die Übungen dauern wenige Minuten und werden ein- bis dreimal täglich wiederholt.
- Es hilft vor allem gegen Blasenschwäche. Die Beschwerden können durch regelmäßiges Training nachlassen, es hilft jedoch nicht immer ausreichend.
- Die Senkung selbst beeinflusst es kaum.
- Es kommt vor allem für Frauen mit einer leichten bis mittleren Senkung infrage.
- Es hat normalerweise keine Nebenwirkungen. Falsches Training kann aber zu Verspannungen und Schmerzen führen.
Der letzte Punkt erklärt, warum wir Training nicht dem Zufall überlassen. Viele Frauen spannen den Beckenboden nicht gezielt an, sondern pressen mit Gesäß, Bauch oder Atem dagegen. Oder sie halten ihn dauerhaft zu fest. Dann fühlt sich das Training anstrengend an und bringt wenig. Auch die Gesundheitsinformation des IQWiG nennt es als Option, sich die Übungen von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten zeigen zu lassen (gesundheitsinformation.de zum Beckenbodentraining).
— Luc Hameleers, Heilpraktiker & PhysiotherapeutBeckenbodentraining ist kein Wundermittel, aber ein ehrlicher erster Schritt. Es kostet wenig, hat kaum Nebenwirkungen, und danach steht Ihnen jede andere Option weiterhin offen.
Pessar und Operation sind die Alternativen, wenn Training nicht reicht
Beckenbodentraining und Pessar lassen sich laut IQWiG zunächst ausprobieren. Hilft beides nicht, bleibt eine Operation möglich. Diese Entscheidung gehört in ärztliche Hände, deshalb hier nur der Überblick:
- Pessar: eine Stütze aus Gummi oder Silikon, die in die Scheide eingesetzt wird und die Organe im Becken stützt. Es sollte individuell angepasst werden. Laut IQWiG trägt etwa die Hälfte der Frauen ein Pessar mindestens über einige Jahre. Nicht immer lässt sich ein passendes finden.
- Operation: Sie kommt laut gesund.bund.de infrage, wenn nicht operative Maßnahmen nicht helfen oder die Beschwerden zunehmen. Die Gebärmutter bleibt in der Regel erhalten.
Wenn Ihnen eine Gebärmutterentfernung empfohlen wird, haben Sie nach der IQWiG-Entscheidungshilfe das Recht auf eine unabhängige zweite ärztliche Meinung.
So arbeiten wir in Wegberg an Ihrem Beckenboden
Wir ersetzen weder die gynäkologische Diagnostik noch ein Pessar oder eine Operation. Was wir leisten: Wir sorgen dafür, dass das Training, das die IQWiG-Informationen beschreiben, bei Ihnen wirklich ankommt.
Jeder Termin dauert 40 Minuten und findet als Einzelbehandlung statt. Am Anfang stehen ein ausführliches Gespräch und die Frage, wann und wobei Ihre Beschwerden auftreten. Dann prüfen wir:
- ob Sie den Beckenboden gezielt an- und wieder entspannen können
- wie Atmung, Bauch- und Rumpfmuskulatur mitarbeiten
- ob Verspannungen zuerst gelöst werden müssen, bevor Aufbau sinnvoll ist
Daraus entsteht ein kurzes Übungsprogramm für zuhause, das in den Alltag passt. Aus über 36 Jahren Praxiserfahrung wissen wir: Wenige, richtig ausgeführte Wiederholungen sind besser als viele verkrampfte. Weil Beckenboden, Rücken und Hüfte zusammenarbeiten, schauen wir bei Kreuzschmerzen auch dorthin, so wie wir es im Beitrag Rückenschmerzen loswerden: Wann Physiotherapie in Wegberg wirklich hilft beschreiben. Wie Beckenbodentherapie bei ungewolltem Urinverlust abläuft, lesen Sie in Blasenschwäche: Wie Beckenbodentherapie wirklich hilft.
Nach einigen Terminen prüfen wir gemeinsam, ob sich Ihre Beschwerden verändern. Tut sich nichts, sagen wir das offen und empfehlen den Rückweg zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt, damit Pessar oder weitere Schritte besprochen werden. Training ist ein Baustein, nicht die einzige Antwort.
Eine Behandlung ohne Medikamente ist dabei kein Dogma, sondern unser Ausgangspunkt: erst die Ursache verstehen, dann gezielt behandeln. Mehr zu diesem Ansatz finden Sie in unserem Beitrag zur Schmerztherapie ohne Medikamente. Alle Behandlungsschwerpunkte der Praxis sehen Sie auf der Seite Leistungen unserer Praxis.
Im Alltag können Sie den Beckenboden zusätzlich entlasten
Neben dem Training nennt gesund.bund.de einige Punkte zur Vorbeugung. Sie sind einfach und haben keine Nachteile:
- Nach einer Geburt Rückbildungsgymnastik machen. Wie sich ein Schwangerschaftsbauch auf Becken und Rücken auswirkt, beschreibt unser Beitrag Rückenschmerzen in der Schwangerschaft.
- Schweres Heben und Tragen vermeiden oder Lasten verteilen.
- Chronischen Husten und Verstopfung behandeln lassen.
Ob Gewichtsabnahme oder diese Maßnahmen tatsächlich vor einer Senkung schützen, ist laut gesund.bund.de nicht ausreichend untersucht. Sie entlasten den Beckenboden aber, und das genügt als Grund.
Diese Beschwerden gehören zuerst zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt
Die Diagnose stellt die Frauenärztin oder der Frauenarzt. Nach gesund.bund.de reicht dafür meist eine Tastuntersuchung von außen und über die Scheide, ergänzt durch eine Untersuchung mit einem Spiegelinstrument und eine Tastuntersuchung des Darms. Bei Blasenschwäche kommt oft ein Husten-Stresstest dazu, bei Problemen beim Wasserlassen eine Ultraschallmessung der Restharnmenge.
Wenn Sie Beschwerden haben, aber noch nie untersucht wurden, ist das der erste Schritt. Es hilft, wenn Sie vorab aufschreiben, wann die Beschwerden auftreten, ob sie im Liegen nachlassen und wie viele Geburten Sie hatten. So wird das Gespräch kürzer und genauer.
Liegt eine ärztliche Einschätzung vor oder wollen Sie zunächst lernen, den Beckenboden richtig zu trainieren, können Sie sich bei uns vorstellen. Wenn Sie den ersten Schritt gehen möchten, können Sie Ihren Termin online buchen. Fragen vorab stellen Sie über unsere Kontaktseite.
Dieser Beitrag ersetzt keine ärztliche Diagnose oder individuelle Beratung.
● FAQ
- Kann man eine Gebärmuttersenkung ohne Operation behandeln?
- Ja, bei leichter bis mittlerer Senkung stehen zunächst Beckenbodentraining und ein Pessar zur Verfügung, die sich ausprobieren lassen. Eine Operation bleibt danach weiterhin möglich. Welcher Weg zu Ihnen passt, besprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt.
- Bringt Beckenbodentraining die Gebärmutter wieder nach oben?
- Nach der IQWiG-Entscheidungshilfe beeinflusst Beckenbodentraining die Senkung selbst kaum. Es kann aber Beschwerden wie Blasenschwäche lindern, indem es die stützende Muskulatur stärkt. Deshalb ist eine realistische Erwartung wichtig.
- Wie oft sollte ich Beckenbodenübungen machen?
- Die IQWiG-Entscheidungshilfe nennt Übungen von wenigen Minuten, die ein- bis dreimal täglich wiederholt werden. Entscheidend ist, dass Sie die Muskeln richtig ansteuern. Das lässt sich in der Physiotherapie mit den Händen prüfen und anpassen.
- Welche Alltagsgewohnheiten belasten den Beckenboden?
- Als mögliche Belastungen gelten schweres Heben und Tragen, chronischer Husten und häufige Verstopfung. Wie stark sie eine Senkung tatsächlich beeinflussen, ist laut gesund.bund.de wenig untersucht. Sie zu vermeiden ist trotzdem ein sinnvoller, risikoarmer Schritt.
- Wann muss ich mit einer Senkung zum Arzt?
- Lassen Sie Beschwerden immer ärztlich abklären, denn die Diagnose stellt die Frauenärztin oder der Frauenarzt. Dringend gilt das bei Blutungen, Schmerzen, Problemen beim Wasserlassen oder Stuhlgang oder wenn Gewebe aus der Scheide heraustritt.
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